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Grossschadenslage, viele Verletzte…
Thomas Oelers · · 3 Min. Lesezeit
In enger Zusammenarbeit mit Claudia Derichs, Arztin fur Anasthesie, Allgemeinmedizin und Notfallmedizin, Andreas Zawieja, Teamleiter der Rettungswache auf Amrum und dem verantwortlichen Rettungsdienst des Kreises Nordfriesland, hat man sich damit befasst was passiert, wenn auf Amrum eine Schadenslage eintritt, die so viele beteiligte Personen aufweist, dass die vorhandenen Rettungsmittel (zwei RTW mit Besatzung) und die frei verfugbaren Arzte der Insel nicht ausreichen, um eine intensive Betreuung der beteiligten Personen vorzunehmen.

Bei solch einem Massenanfall von Verletzten, kurz „MANV“ genannt, herrscht ein Missverhaltnis zwischen der Anzahl der Verletzten und der Anzahl der Helfer. Bei der Bestandsaufnahme wurde schnell klar, dass fur die Erfullung dieser Definition nicht erst ein voll besetzter Reisebus verunglucken muss. Die Insellage verhindert eine schnelle Verfugbarkeit von weiteren Kraften. Von der Moglichkeit von schlechtem Wetter, bei dem der Rettungshubschrauber nicht zum Einsatz kommen konnte, mal ganz abgesehen.
In einer Informationsveranstaltung im August 2008 wurden die kommunalen Gremien, die Feuerwehren, die DGzRS und verfugbaren Arzte der Insel eingeladen, um die klar definierten Grenzen der Notfallversorgung aufzuzeigen. Herr Dr. Peter Totzauer, Arzt fur Anasthesie, Notfallmedizin und Schmerztherapie, der bis Ende letzten Jahres leitender Notarzt des Kreises Euskirchen war und seit Januar auf Amrum tatiger Mediziner ist, referierte an diesem Abend und zeigte viele Beispiele aus seiner zwanzig-jahrigen Erfahrung auf. Viele Fallbeispiele hatten sich dabei durchaus auf Amrum abspielen konnen.
Wie transportiert man mehr als zwei Verletzte zur gleichen Zeit. Wie schutzt man weitere Verungluckte vor schlechtem Wetter und vor schneller Unterkuhlung im Herbst und Winter am Unfallort. Wer ubernimmt die Beobachtung der Erstversorgten in der Zeit, wo weitere Personen auf die Erste Hilfe durch das medizinische Fachpersonal angewiesen sind. Viele Fragen, die erortert wurden und ohne Panikmache zum Entschluss fuhrten, bei den grossten Hilfsorganisationen der Insel, den Feuerwehren anzuklopfen.

Gleichermassen wurde das Begehren beim Rettungsdienst Nordfriesland vorgetragen, einen Anhanger auf Amrum zu stationieren, der im Notfall entsprechende Hilfsmittel, Ausstattungsgegenstande und Verbandszeug bevorratet. Dieser Anhanger wurde erfreulicherweise nun auf der Insel beim Rettungsdienst stationiert.
In den Reihen der Amrumer Feuerwehren fanden sich in jeder Wehr Mitglieder, die bereit waren, an einer erweiterten Erste-Hilfe-Schulung teilzunehmen. Diese sogenannte Sonder Einsatz Gruppe (SEG) wurde dahin gehend geschult, dass sie den Rettungsassistenten und Arztinnen und Arzten zur Hand gehen konnen. Neben den Grundkenntnissen zur Wahrnehmung des Bewusstseins, der Atmung und des Kreislaufes, sowie die Ausfuhrung der stabilen Seitenlage, wurden zum Beispiel auch Bergesysteme, Herz-Lungenwiederbelebungen, blutstillende Verbande, Blutdruck und Pulsmessungen, Knochenbruche und Amputationsverletzungen, sowie Schock- und Schmerzbekampfung und Versorgung von Brandverletzungen demonstriert.
Erste Hilfe Ausbilder Wolfgang Schulte und das Team der Rettungswache in Nebel unterstutzten dabei die Schulung. Auch wenn alles im Detail demonstriert, erklart und ausprobiert wurde, wird es nicht so sein, dass zum Beispiel ein Feuerwehrangehoriger einen Venenzugang setzen wird. Aber allein die Kenntnis uber die Ausstattung des RTW und das Verstandnis zur Arbeitsweise mit den vielen vorhandenen Hilfsmitteln ist ein grosser Schritt.
Nun steht am 30.07.09 die grosse Abschlussubung an, die neben einer kleinen Lernerfolgskontrolle die Feuerwehrangehorigen mit einem Szenario konfrontiert, das sicherlich zuerst den Puls hochschnellen lasst. Die Verletzten werden professionell hergerichtet und geschminkt, wurde von offizieller Seite bekannt. Auch vom Festland werden Beobachter des Rettungsdienstes anwesend sein.
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